der Theaterverlag Rieder wurde im Jahr 1950 von Franz Rieder (*05.08.1925 in Nikolsburg/Südmähren) gegründet.
Das Anfangsprogramm des Verlags mit zunächst 20 Theaterstücken erweiterte Franz Rieder
gemäß seinem Leitsatz »ich verlege nicht alles - denn
Verlegen ist Gewissenssache« gezielt und konsequent zu dem heutigen
umfangreichen Verlagsprogramm. In 53 Jahren baute er in seiner Doppelfunktion
als Schriftsteller und Verleger sein Unternehmen zu einem der führenden
Theaterverlage in Deutschland und Österreich aus. Franz Rieder war
Schriftsteller und Verleger mit Begeisterung und aus innerer Überzeugung.
Das Verfassen von Theaterstücken bedeutete ihm »das Edelste
im Menschen anzusprechen und zu fördern.« Ihn zeichnete die
einzigartige Fähigkeit aus, die Menschen im Herzen anzusprechen und
zu berühren. Bis zuletzt hatte er ein offenes Ohr für die Anliegen
jeder Theatergruppe, die seine große fachliche, soziale und kommunikative
Kompetenz überaus schätzten.
Franz Rieder lebte für das Theater. In seiner 53 Jahre währenden
schriftstellerischen Arbeit entstanden aus seiner Feder zahlreiche Theaterstücke
unterschiedlicher Genres und Stilrichtungen, die sich auf den Bühnen
zu echten Klassikern entwickelten. Mit 77 Jahren schrieb er die Lustspiele
»Der Landfrauenausflug« und »So san die Leut«,
wenige Wochen vor seinem Tod vollendete er seine letzte Komödie »Wunder
über Wunder«.
Franz Rieder erspürte die Erwartungen des Publikums, der Regisseure
und der Theaterspieler, davon zeugen seine vielen Erfolgsstücke,
die all die Jahre wiederholt in ganz Deutschland, Österreich und
dem deutsch-sprachigen Ausland mit großem Erfolg aufgeführt
worden sind. Das »Chiemgauer Volkstheater« zeichnete im Jahr
2001 »Heiße Nacht und kalte Dusche« für das Bayerische
Fernsehen auf. Das Stück »Der Trauminet« steht auf dem
Tourneeplan der aus dem Südwestfernsehen bekannten Pfundtner-Bühne,
mit der er noch bis kurz vor seinem Tod die Verhandlungen führte.
Aktuell zeichnet das Bayerische Fernsehen seine Komödie »Maximilian,
jetzt bist du dran« mit dem »Chiemgauer Volkstheater«
auf.
Franz Rieders Schauspiele, Dramen und Volksstücke handeln von unterschiedlichen
Geschichten, die auf das Wesen des Menschseins verweisen. Die Bühne
fungiert als ein Ort moralischer und sozialer Auseinandersetzung, der
Menschen zurückblicken lässt und ihrem Leben Bedeutung verleiht.
Seine Dramen zeigen die Innenwelt der Menschen und stellen die Fragen
nach der condition humaine, dem Umgang der Menschen miteinander, der Gerechtigkeit
und der Verantwortung für ein Geschehen. Seine tief berührenden
Dialoge in einem frühen Klassiker wie» Heimweh am Wolgastrand«
modellieren lebendige Erinnerung im nicht Fassbaren, nicht Versteh- und
Greifbaren, im Leiden an dem Vergehen. Seine Schauspiele stellen vielfach
die sozialen und psychischen Spannungsverhältnisse menschlicher Existenz
dar.
Franz Rieder sieht die Bühne aber stets auch als einen Ort des Lachens,
denn im Lachen kommt der Mensch zu seiner Vollendung und ist doch, wie
Lessing sagt, der Endzweck aller Künste das Vergnügen. Seine
Komödien, Lustspiele und Schwänke handeln von Stoffen aus der
unmittelbaren Lebenswelt und schaffen dazu Bühnenfiguren, die das
Publikum zu feinsinnigem Lachgenuss und Nachdenken anregen wollen, damit
am Aufgeführten auch der Verstand sein Wohlgefallen finden kann.
In Werkbearbeitungen wie z. B. »Lumpazivagabundus« und »Der
Bauer als Millionär« zeigt sich die Nähe zu der dramatischen
Kunst von Nestroy, Raimund und Grillparzer. In seinen Komödien und
Lustspielen erweist sich Franz Rieder als ein Meister des Wortwitzes,
der Figurenzeichnung und der Gestaltung komischer Situationen. Die überaus
erfolgreiche Komödie» Ehestand und Wehestand« arbeitet
bereits Ende der 1960er Jahre mit dem Rollentausch zwischen Mann und Frau.
Viele seiner heiteren Theaterstücke begreifen die Welt im Sinne einer
göttlichen Komödie und schöpfen die Komik aus großen
Auftritten, geschliffenen Dialogen und starken Abgängen, wie es Lessing
in seiner Hamburgischen Dramaturgie fordert: »Wir wollen es auf
der Bühne sehen, wer die Menschen sind«! In manchen seiner
späten Komödien zeigt sich das souveräne Spiel mit den
Konventionen und Formelementen der szenischen Darstellungskunst, wie in
den Bühnenerfolgen »Omas Himmelfahrt und zurück«,
»Die Watsch’n des Bürgermeisters« oder »Jedem
die Seine und mir die Meine«.
Franz Rieder führt mit sicherer Hand seine Spielfiguren durch unterschiedlich
motivierte komische Situationen. Beste Komik entsteht aus dem Missverstehen
von Menschen und dem Nichtgelingen von Handlungen. Besonders ausgeprägt
ist diese Komik in Klassikern wie »Ehestand und Wehestand«,
»Das Heiratsgenie«, »Die zwei Halbschönen«
oder »Der Wüstling und das Kragenknöpferl«.
Bühnenfiguren äußern sich in Dialogen, gehen zwischenmenschliche
Beziehungen ein und agieren in diversen Handlungsräumen. Das Bühnengeschehen
setzt sich wie das Leben aus vielen zufällig entstehenden Szenen
zusammen. Von seiner stilistischen Vielfalt und wirkungsvollen Theatersprache
zeugen seine bildhaften und raumbildenden Dialoge in den Stücken
»Eine fast sündige Nacht«, »Der Supermann«,
»Da hat sich sogar der Herr Pfarrer geirrt« und in »Raststätte
glückliche Herzen« um nur einige Beispiele zu nennen. Franz
Rieder widmete sich neben dem Schreiben von Bühnenstücken auch
dem Verfassen von Sachbüchern. Seit Anfang der 80er Jahre arbeitete
er mit dem Weltbild-, Falken- und Bertelsmann-Verlag in verschiedenen
Projekten zusammen. Sein letztes Buch zum Thema Trauer und Tod trägt
den Titel »Zum letzten Abschied« und ist 2001 im Weltbild-Verlag
erschienen.
Am 20. August 2003 verstarb Franz Rieder bei seinem schriftstellerischen
Schaffen unerwartet an Herzversagen. Bis zuletzt arbeitete er mit viel
Freude in seinem Theaterverlag – voll von neuen Ideen, Plänen
und kreativer Energie.
Seit 1990 habe ich die Geschäftsführung des Theaterverlags Rieder inne und führe
den Verlag im Sinne der Unternehmensphilosophie meines Vaters weiter.

Verlegerin